Eltern-Baby-Therapie

Das dritte Einsatzfeld auf dem das Gebiet der Emotionellen Ersten Hilfe ist das der Eltern-Baby-Therapie. Die pathologischen Anteile in diesem Sektor sind schon deutlich größer. In der Eltern-Baby-Therapie begleiten wir vornehmlich die Auswirkungen von unverarbeiteten, posttraumatischen Belastungsstörungen beim Säugling, aber auch bei den beteiligten Müttern und Vätern. In diese Kategorie fallen u. a. traumatische Stressbelastungen nach schwierig verlaufenen Geburten oder außergewöhnlich angstvoll verlaufenen Schwangerschaften, wie dies nach künstlichen Befruchtungen der Fall sein kann. Auch die Begleitung von Frühchen und ihren Eltern nach wochen- und monatelangen Klinikaufenthalten gehört in diese Kategorie. Mehrfache Trennungen der Eltern von ihren Neugeborenen, beinahe ununterbrochene Auseinandersetzung mit den Gefahren von operativen und schmerzhaften Eingriffen für das Kind, sowie die ständige Angst um Leben und Gesundheit, sind nur einige der schwächenden Faktoren für den Bindungsaufbau zwischen den Eltern und ihren zu früh geborenen Säuglingen.

Trotz der multitraumatisierten Vorgeschichte dieser Eltern und Kinder bedeutet es nicht, dass die klassische Psychotherapie der richtige Ort für diese Menschen ist. Wir vertreten hier die Ansicht, dass wir einen zweiseitigen Ansatz der präventiven Psychotherapie für diese Menschen benötigen. Die Eltern-Baby-Therapie umfasst einerseits den behutsamen Aufbau von Vertrauen und Sicherheit beim Baby. In langsamen Schritten lernen die Babys im Kontakt mit den Eltern Nähe und Berührung zuzulassen und ihre Vermeidungsstrategien aufzugeben. Zeitgleich werden mit den Eltern gezielte Handlungsstrategien entwickelt, wie sie die akuten Schrei- und Stressreaktionen ihrer Babys sicher begleiten können.

Nach erfolgreicher Bindungsstärkung bietet die Eltern-Baby-Therapie dann andererseits auch einen Raum, um die schmerz- und angstbesetzten Bindungserfahrungen der Eltern und Säuglinge gezielt zu verarbeiten und zu lösen. Deshalb werden die Eltern-Baby-Sitzungen  in aller Regel nie getrennt durchgeführt. Die Babys begleiten die Mütter und Väter in ihrem Prozess des Loslassens und Verarbeitens ebenso, wie die Eltern ihren Babys Halt und Sicherheit geben, wenn belastende Lebenserfahrungen rekapituliert werden. Die therapeutischen Erfahrungen der vergangenen 15 Jahre legen nahe, dass bei der auf das Trauma bezogenen Eltern-Baby-Therapie, je nach Schweregrad der Störungen, von einem Behandlungsumfang von 6 - 20 Sitzungen ausgegangen werden kann.